Твоей я не умел сберечь мечты. Аккорды утекли с водою талой. Не суждено. И этой мыслью малой Я утешался, - что со мной не ты. Судьба сжигала за спиной мосты, Тревожило печалью запоздалой, А время прошивало нитью алой Разлук и встреч случайные листы. Отринуть бы десятилетий плен! Смахнуть с чела предсмертную усталость! Тряхнуть... На кон поставить

Sein Geliebter Wildfang

Sein Geliebter Wildfang Amanda Mariel Werden sich zwei gesellschaftliche Au?enseiter gegen ?u?ere Umst?nde durchsetzen k?nnen und wahre Liebe finden? Der Marquess of Gulliver, Seth Mowbray, hat keine eigene Familie. Wenn er sich nicht in Gesellschaft seiner guten Freunde, des Dukes und der Duchess of Selkirk befindet, ertr?nkt er seine Einsamkeit, indem er sich den anr?chigen Dingen widmet, die das Leben zu bieten hat. Lady Constantine Hartley scheint sich den Regeln der Gesellschaft nicht beugen zu k?nnen. Zudem haben die gesellschaftlichen Zw?nge ihr jedes Vergn?gen genommen. Weshalb sich also abm?hen? Sie hat beschlossen, den gesellschaftlichen Druck diese Saison zu ignorieren und sich einfach zu am?sieren.Nach einer zuf?lligen Begegnung ist Seth von dem Wildfang fasziniert. Auch Constantine ist vom Marquess hingerissen. Werden sich die beiden gesellschaftlichen Au?enseiter gegen die ?u?eren Umst?nde durchsetzen k?nnen und wahre Liebe finden? Amanda Mariel Sein Geliebter Wildfang SEIN GELIEBTER WILDFANG AMANDA MARIEL ?bersetzt von LUISE PAWLIG F?r meinen Mann – meinen Lieblings-Halunken unter all denen, die sich gebessert haben. Ich liebe dich! Der Marquess of Gulliver, Seth Mowbray, hat keine eigene Familie. Wenn er sich nicht in Gesellschaft seiner guten Freunde, des Dukes und der Duchess of Selkirk befindet, ertr?nkt er seine Einsamkeit, indem er sich den anr?chigen Dingen widmet, die das Leben zu bieten hat. Lady Constantine Hartley scheint sich den Regeln der Gesellschaft nicht beugen zu k?nnen. Zudem haben die gesellschaftlichen Zw?nge ihr jedes Vergn?gen genommen. Weshalb sich also abm?hen? Sie hat beschlossen, den gesellschaftlichen Druck diese Saison zu ignorieren und sich einfach zu am?sieren. Nach einer zuf?lligen Begegnung ist Seth von dem Wildfang fasziniert. Auch Constantine ist vom Marquess hingerissen. Werden sich die beiden gesellschaftlichen Au?enseiter gegen die ?u?eren Umst?nde durchsetzen k?nnen und wahre Liebe finden? Bei diesem Werk handelt es sich um Fiktion. Namen, Charaktere, Einrichtungen, Orte, Ereignisse und Vorkommnisse sind entweder Produkte der Fantasie der Autorin oder werden fiktiv genutzt. Copyright © 2020 by Amanda Mariel Titel der englischen Originalausgabe: »His Perfect Hellion« Herausgegeben von Brook Ridge Press F?r die deutschsprachige Ausgabe: Copyright © 2020 by TekTime Alle Rechte vorbehalten ?bersetzt von Louise Pawlig Kein Teil dieses Buches darf vervielf?ltigt, oder in einem Datenabfragesystem gelagert, oder in irgendeiner Form oder auf irgendeine Weise ?bertragen werden, weder elektronisch, mechanisch, fotokopiert, aufgezeichnet noch anderweitig, ohne die ausdr?ckliche schriftliche Erlaubnis des Verlegers. Herausgegeben von TekTime. KAPITEL 1 April 1818 London In ihren eigenen Augen war Lady Constantine Hartley im Grunde keine Lady. Dass ihr der notwendige Schliff fehlte, war nur eine ihrer vielen Unzul?nglichkeiten. Die Tatsache, dass sie den gr??ten Teil ihres Lebens zur?ckgezogen auf dem Land ohne die sanfte Hand einer Mutter verbracht hatte, hatte sie nicht gut auf die gehobene Gesellschaft Londons vorbereitet. Niemand konnte bestreiten, dass sie in vielerlei Hinsicht unvollkommen war. Und dennoch war sie eine Lady. Der Unsinn von Stellung und sozialem Rang wollte ihr nicht einleuchten. Wie jemand Teil der gehobenen Gesellschaft sein konnte, ohne g?nzlich von ihr akzeptiert zu sein, ?berstieg ihren Verstand. Constantine lie? ihren Blick an der Tafel entlangschweifen. Sie musterte die elegant gekleideten Lords und Ladys, die um sie herum sa?en. Ihr eigenes Kleid war genauso elegant wie das jeder anderen Anwesenden. Juwelen schm?ckten ihren Hals und funkelten an ihren Ohren und ihr Haar war gekonnt zu einem modischen Knoten hochgesteckt, so dass einige gel?ste Locken ihr Gesicht umspielten. Tats?chlich wirkte Constantine ganz wie die wohlgeborene Lady, die sie war. Sie seufzte. Trotzdem konnte ihre ?u?ere Erscheinung nicht ?ber ihre mangelnden Umgangsformen hinwegt?uschen, das wusste sie nur zu gut. Es bedeute rein gar nichts, dass sie elegant und vornehm aussah, wenn sie es nicht wirklich war. Da gab sich Constantine keinen Illusionen hin. Sie kannte die Wahrheit – sie war nicht damenhaft. Wenn sie daran noch den geringsten Zweifel gehegt h?tte, h?tte sp?testens die letzte Saison sie eines Besseren belehrt. Sie hatte sich bei mehreren Gelegenheiten blamiert, indem sie Regeln gebrochen hatte, bei denen ihr nicht einmal bewusst gewesen war, dass sie ?berhaupt existierten und sich so zum Gesp?tt gemacht. Schlimmer noch, je mehr Fehler sie beging, desto unsicherer f?hlte sie sich, was nur dazu gef?hrt hatte, dass sie noch mehr Fehler machte. Gegen Ende der Saison hatte Constantine sich nichts sehnlicher gew?nscht, als aufs Land zur?ckzukehren und den Rest ihres Lebens als Einsiedlerin zu verbringen oder einen Landedelmann zu heiraten und sich mit einem ruhigen Leben zu bescheiden. Auf jeden Fall hatte sie nicht in die gehobene Gesellschaft Londons zur?ckkehren wollen. Constantines Blick blieb am Ende der Tafel h?ngen. Tante Dorthy, die Witwe des Viscounts of Chadwick, thronte stolz ?ber ihrer Abendgesellschaft und schmerzliches Bedauern stieg in Constantine auf. Um ihrer Tante willen w?nschte sie, sie h?tte sich nicht als eine solche Entt?uschung erwiesen. Schlie?lich hatte ihr Tantchen mehr getan, als n?tig gewesen w?re, um Constantine in die gehobene Gesellschaft einzuf?hren. Und Constantine hatte ihre Bem?hungen bei jeder Gelegenheit zunichte gemacht. Mit fortschreitender Saison hatte ihr zunehmendes Unbehagen zu mehr und mehr Fehlschritten und Fauxpas gef?hrt. Sie ging jede Wette ein, dass niemand in den begehrten Kreisen der Gesellschaft sie zu sich einladen w?rde, wenn da nicht der soziale Status ihres Tantchens w?re. Gerade, als Constantine dieser Gedanke durch den Kopf ging, erwiderte Tante Dorthy ihren Blick und schenkte ihr ein warmes L?cheln. So war die Viscountess – freundlich, verst?ndnisvoll und immer ermutigend. Das war auch der Grund, aus dem ihr Tantchen trotz ihres Versagens darauf bestanden hatte, dass Constantine f?r eine weitere gesellschaftliche Saison zur?ckkehrte. Und Constantine liebte sie daf?r, auch wenn sie selbst nicht gl?cklich ?ber ihre R?ckkehr war. Constantine stie? den Atem aus und erwiderte das L?cheln ihrer Tante, bevor sie nach ihrem Suppenl?ffel griff. Um ihrer Tante willen w?rde sie ihr Bestes geben, aber sie war auch fest entschlossen, sich nicht von ihren Fehlern beherrschen zu lassen. Diese Saison w?rde es anders sein. Wenn sie schon eine weitere Saison ?ber sich ergehen lassen musste, konnte sie ebenso gut versuchen, sie zu genie?en. Was bedeutete, dass sie ihr Bestes tun w?rde, die vielen Regeln f?r wohlgeborene junge Damen zu befolgen, aber sie w?rde nicht an ihren Fehltritten verzweifeln. Constantine r?hrte mit ihrem L?ffel in der dickfl?ssigen braunen Suppe vor ihr. Sie hasste Schildkr?tensuppe, aber sie hatte gelernt, dass es unh?flich war, sich ihren Abscheu anmerken zu lassen. Das hatte ihr Tantchen ihr erkl?rt, nachdem Constantine w?hrend der letzten Saison einen Gang abgelehnt hatte. »Das war der Inbegriff schlechter Manieren«, hatte ihr Tantchen erkl?rt. Dann hatte sie hinzugef?gt: »Spiel einfach damit, so dass es aussieht, als w?rdest du davon essen.« Das erschien Constantine ziemlich unsinnig. Aber sie r?hrte mit ihrem L?ffel ger?uschvoll in der Suppe, w?hrend sie auf den n?chsten Gang wartete. »Ihr nehmt den falschen L?ffel«, unterbrach eine tiefe Stimme sie und Constantine wandte sich dem Herrn an ihrer linken Seite zu. Ihr Mund wurde ganz trocken, als sie ihn einzusch?tzen versuchte. Er war der Traum jeder Deb?tantin – gro?, dunkelhaarig, gutaussehend – und einen Moment lang konnte sie ihn nur anstarren. Haar von der Farbe schwarzer Tinte umrahmte sein Gesicht und saphirblaue Augen blickten sie freundlich an. Seine Gesichtsz?ge waren vornehm mit einer geraden Nase und einem markanten Kinn. Am faszinierendsten jedoch war das verwegene Funkeln, das in seinem Blick lag und die herausfordernde Andeutung eines Grinsens, das um seinen vollen Lippen spielte. Constantine schluckte, ignorierte die Hitze, die ihr ins Gesicht gestiegen war, und erwiderte: »Ach, tats?chlich?« Sie hob herausfordernd eine Braue und zwang sich zu innerer Ruhe. Das Grinsen des Herrn wurde breiter. »Ja, in der Tat.« Constantines Schultern versteiften sich. »Ich nehme an, das ist der Moment, in dem ich vor Scham leuchtend rot anlaufen, meinen Fehler korrigieren und Euch danken sollte.« Sie achtete nicht auf das Gl?hen ihres Gesichts und auf das leichte Zittern in ihrer Stimme. Sie w?rde es ihrem Unbehagen nicht gestatten, sie g?nzlich zu ?berkommen. »Nun, da Ihr es erw?hnt – Ihr seid tats?chlich err?tet.« Das Grinsen des Mannes wurde zu einem breiten L?cheln, in dem Belustigung schwang. »Und in der Tat w?re das die zu erwartende Antwort.« »Vielleicht bin ich dann etwas ungew?hnlich, denn ich werde mich nicht entschuldigen«, gab Constantine zur?ck und ?berging die Tatsache, dass er bemerkt hatte, wie rot sie geworden war. »Ich werde auch den L?ffel nicht wechseln.« »Zweifellos seid Ihr ?u?erst ungew?hnlich.« In seiner Stimme klang zunehmendes Interesse durch, als er fortfuhr. »Miss…« Er sah sie erwartungsvoll an. »Hartley«, half sie ihm aus. »Lady Constantine Hartley.« Verflixt! Sie war in ein weiteres Fettn?pfchen getreten und dabei hatten sie noch nicht einmal die Suppe hinter sich gebracht. Wie war es ?berhaupt m?glich, dass sie neben einem Gentleman platziert worden war, den man ihr nicht vorgestellt hatte? Das war wohl kaum ihre Schuld. Oder? »Lady Constantine Hartley…« Seine Worte verklangen, als er sie musterte, w?hrend er mit seinen langen Fingern ?ber seine Krawatte strich. »Der Name steht Euch.« Constantine schenkte ihm ein feines L?cheln, das ihre Lippen nur andeuteten. Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder der Suppe zu. Sie tat ihr Bestes, den Knoten zu ignorieren, der sich in ihrem Magen gebildet hatte und r?hrte weiter in dem verhassten Essen in ihrer Schale herum. Was sie empfand, war ungew?hnlich. Das, und Tatsache, dass sie sich nicht sicher war, ob ihre Reaktion von den Nerven herr?hrte – oder von etwas ganz anderem. »Lord Gulliver.« Seine tiefe Stimme sandte ein angenehmes Prickeln durch ihren K?rper. Constantine neigte den Kopf, um den gutaussehenden Fremden anzusehen. »W-wie bitte?« »Mein Name. Lord Gulliver. Seth Mowbray, Marquess of Gulliver, um genau zu sein.« Er legte seinen L?ffel beiseite und richtete seine ganze Aufmerksamkeit auf sie. »Es ist mir ein Vergn?gen, Eure Bekanntschaft zu machen.« »Das Vergn?gen ist ganz meinerseits«, seufzte Constantine. In ihrem Magen flatterte es auf einmal, als ob ein Sperling mit den Fl?geln in dem verzweifelten Versuch schl?ge, zu entkommen. Daraus schloss sie, dass das, was sie empfand, wenig mit den Nerven zu tun hatte. Sie w?rgte den Knoten in ihrer Kehle herunter, dann neigte sie zustimmend den Kopf. Mit hei?en Wangen wandte Constantine ihre Aufmerksamkeit wieder dem Essen zu. Sie f?hlte sich aufs ?u?erste besch?mt und war angesichts der Reaktionen ihres K?rpers verwirrt. Sie war dankbar f?r die Stille, die herrschte, als der Fisch aufgetragen wurde und die auch beim Hammelfleisch und beim Rinderbraten danach anhielt. Als allerdings der Salat gereicht wurde, wandte Lord Gulliver Constantine wieder seine Aufmerksamkeit zu. »Woher kommt Ihr?«, fragte er. »Carlisle«, entgegnete sie, ohne ihm in die Augen zu sehen. »Ich bin in Carlisle aufgewachsen.« »Ein Landm?dchen also.« Sie verengte die Augen und sah ihn an. »Passt Euch etwas nicht an M?dchen vom Land?« »Ganz und gar nicht.« Er sch?ttelte den Kopf. »Ehrlich gesagt finde ich Euch recht erfrischend.« Sie unterdr?ckte ein Aufst?hnen, w?hrend ihre Wangen hei? anliefen. Wieso brachte dieser Mann sie immer wieder zum Err?ten? Constantine t?uschte Gleichg?ltigkeit vor und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihre Mahlzeit. »Wieso bin ich Euch nicht schon eher in London begegnet?« Seine Stimme klang n?her und ihr Pulsschlag beschleunigte sich. Sie lie? sich Zeit, als sie auf dem K?sest?ck kaute, das sie sich einen Augenblick zuvor in den Mund geschoben hatte. Als sie es heruntergeschluckt hatte, erwiderte sie seinen Blick. »Ihr habt wohl nicht richtig hingesehen.« Sie wandte sich ab und schalt sich wegen ihrer bissigen Antwort. Sie musste ihre Zunge besser im Zaum halten. Davor hatte ihr Tantchen sie schon oft gewarnt, aber manchmal konnte Constantine sich einfach nicht zur?ckhalten. Lord Gulliver machte sie auf eine Weise nerv?s, wie es noch niemand zuvor getan hatte. Er brachte ihren Herzschlag zum Rasen und weckte Schmetterlinge in ihrem Bauch. Ganz zu schweigen von den Hitzewallungen, die sie auf einmal plagten. Das hier war mehr als Unbehagen. Und es war wirklich beunruhigend. Wenn das so weiterging, wusste sie nicht, wie sie das Dinner ?berstehen sollte. Vielleicht w?rde ihre unversch?mte Antwort ihn w?hrend der letzten G?nge von ihr fernhalten – dann w?re alles gut. Es dauerte nicht lange, ehe ihre Hoffnungen zerschlagen wurden, denn mit den Desserts wurde ihr Lord Gullivers erneute Aufmerksamkeit zuteil. Als sie die Gabel in ihr letztes St?ck ?berbackenen Custard stie?, neigte er sich zu ihr hin und fl?sterte: »Ich habe einmal einen Frosch zum Dinner gebracht und ihn beim letzten Gang freigelassen.« Constantine sah ihn mit gro?en Augen an. »Das habt Ihr nicht!«, rief sie ungl?ubig. Er nickte ihr ernst zu. »Das habe ich allerdings. Und schlimmer noch, das Tier sprang geradewegs auf den Scho? meiner Schwester, die daraufhin Hals ?ber Kopf vom Tisch gest?rzt ist.« Constantine musste lachen und presste sich die Hand vor den Mund, um es zu unterdr?cken. Eigentlich sollte sie jetzt err?ten und auf ihren Gef?hlsausbruch besch?mt reagieren, der so ganz und gar nicht ladylike war. Aber aus irgendeinem Grund sch?mte sie sich nicht im Geringsten. Fasziniert legte sie ihre Gabel beiseite und neigte sich leicht zu Lord Gulliver hin. »Erz?hlt mir mehr«, bat sie und hob interessiert eine Augenbraue. »Wie alt wart Ihr? Habt Ihr daf?r ?rger bekommen?« Bevor er etwas erwidern konnte, drang die Stimme der Viscountess durch das Esszimmer, »Meine Damen, begeben wir uns doch ins Empfangszimmer, w?hrend die Herren ihren Brandy genie?en.« Seufzend erhob sich Constantine. Als sie Lord Gullivers sanfte Ber?hrung am Handgelenk sp?rte, hielt sie inne. Ihr Blick traf auf seine saphirblauen Augen. Ihre Lippen ?ffneten sich ?berrascht. Nie zuvor hatte ein Mann sie so unverfroren ber?hrt – in solcher Vertrautheit. »Ich werde Euch Eure Fragen das n?chste Mal beantworten, wenn sich unsere Wege kreuzen.« Er lie? ihr Handgelenk los und wandte sich mit einem spitzb?bischen L?cheln auf den Lippen ab. Constantine versp?rte den pl?tzlichen Drang, daf?r zu sorgen, dass sie einander eher fr?her ?ber den Weg liefen als sp?ter. KAPITEL 2 Eine Woche sp?ter Auf dem Anwesen des Dukes und der Duchess of Selkirk Seth Mowbray, der Marquess von Gulliver, blinzelte im Licht der Morgensonne, als eine weibliche Gestalt in sein Blickfeld kam. Eine zierliche Frau sa? im Gras am Ufer des Baches. Sie hatte die Knie unter ihren R?cken angezogen und ihre Haube lag samt ihren St?mpfen neben ihr im Gras. Ihm stockte der Atem, als er ihr Gesicht erkannte, und er beschleunigte seine Schritte. Die Frau war niemand anderes als Lady Constantine Hartley. Sie wandte ihm ihr Gesicht zu und erwiderte seinen Blick. Neckend l?chelte er ihr zu. »Es scheint Euch zu gefallen, die Grenzen des Anstands auszureizen«, scherzte er und lie? seinen Blick ?ber sie wandern. Beim Anblick ihrer nackten, kleinen runden Zehen hielt er inne. Er versp?rte pl?tzlich den Drang, sie zu streicheln. Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf ihr h?bsches Gesicht. »Nicht, dass ich mich dar?ber etwa beklagen wollte.« Er zwinkerte ihr zu, um noch eins draufzusetzen. Sie err?tete und ihre pfirsichfarbene Haut f?rbte sich rosig. »Ich hatte nicht damit gerechnet, jemandem zu begegnen«, erwiderte sie und griff nach ihren Str?mpfen. »Meinetwegen m?sst Ihr Euch nicht anziehen.« »Ich bin wohl kaum nackt.« Sie warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. Mit gerunzelter Stirn, die geschwungenen Lippen gesch?rzt, sch?ttelte sie den Kopf. »Das ist allerdings bedauerlich«, sagte er gedehnt und trat n?her auf sie zu. Ihre Wangen f?rbten sich leuchtend rot. Constantine richtete ihre Aufmerksamkeit auf die vor ihr liegende Aufgabe und hielt den Blick auf ihren Strumpf gerichtet, w?hrend sie ihn ?ber den Fu? zog und ihn ?ber ihre Wade nach oben schob. Seth unterdr?ckte ein sehnsuchtsvolles St?hnen und lie? sich neben ihr nieder. »Ich wollte Euch nicht zu nahe treten. Ich wollte Euch nur ein Kompliment aussprechen. Ihr seid eine sch?ne Frau, Lady Constantine. Ich kann nicht umhin, mir vorzustellen, dass Ihr noch atemberaubender seid, wenn Ihr nicht mit Musselin und Flitterkram bedeckt seid.« »Das ist wohl kaum wohl kaum ein angemessenes Thema f?r eine Konversation, Mylord.« Sie l?chelte. »Aber ich danke Euch f?r das Kompliment und m?chte Euch bitten, von diesem Gespr?chsthema Abstand zu nehmen.« »Verbringt Ihr viel Zeit drau?en mit nackten F??en?« »Lord Gulliver!«, schalt sie. Seth gab sich geschlagen und hob die H?nde. »Nun gut, was haltet Ihr f?r ein angemessenes Gespr?chsthema?«, fragte er. W?hrend sie sich mit ihren kn?chelhohen Stiefeln abm?hte, antwortete sie: »Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich wei?, dass das vorige Thema eindeutig unangemessen ist.« Ihre Schultern hoben und senkten sich leicht, als sie einen Seufzer ausstie?. »Vielleicht sollten wir uns ?ber das Wetter unterhalten?« »Das w?re ausgesprochen langweilig.« Er sch?ttelte den Kopf. »Da werdet Ihr Euch schon mehr M?he geben m?ssen.« Sie griff nach ihrer Haube und sah sie voller Bedauern an, ehe sie sie aufsetzte. Die weite Krempe bedeckte ihr Gesicht so, dass er nicht l?nger die Empfindungen in ihren warmen goldbraunen Augen lesen konnte. Es juckte ihn in den Fingern, ihr das monstr?se Ding abzunehmen, um ihr das Haar zu l?sen. Er ging jede Wette ein, dass die honigfarbenen Locken sich unter seiner Ber?hrung seidenweich anf?hlen w?rden. »Ah…«, begann sie und stie? den Atem aus. Dann reckte sie das Kinn in die H?he. »?ber Politik oder gelehrte Themen k?nnen wir nicht sprechen. Wir k?nnen auch keinen Klatsch austauschen oder von privaten Angelegenheiten sprechen. Ich f?rchte, Religion kommt auch nicht in Frage.« Sie runzelte die Stirn und sch?ttelte leicht den Kopf. »Dann bleibt uns also nur das Wetter.« Sie erhob sich und drehte sich zu ihm um. »Es ist ein bezaubernder Tag, findet Ihr nicht auch?« »In der Tat«, sagte er langsam und erhob sich ebenfalls. »W?rdet Ihr mich auf einen Spaziergang begleiten?«, fragte er und bot ihr den Arm. Constantine legte ihre behandschuhte Hand um seinen Ellbogen. »Warum ?ber das Wetter sprechen, wenn es so viele Dinge gibt, die interessanter sind?«, fragte Seth vorwurfsvoll. »Weil es Damen nicht gestattet ist, von jenen interessanteren Dingen zu sprechen.« »Ich werde es nicht weitersagen, wenn Ihr es doch tut.« Er zwinkerte ihr zu. »Das verspreche ich Euch.« »Oh!«, rief sie, »Jetzt wei? ich! Wenn ich mich recht erinnere, seid Ihr nie dazu gekommen, mir alles ?ber Euren Streich mit dem Frosch zu erz?hlen, und ich w?sste so gern, wie es ausgegangen ist.« Er lachte. Es w?rmte ihm das Herz zu sehen, wie sehr sie sich dar?ber freute, ein angemessenes Gespr?chsthema gefunden zu haben. Verlangen flammte in seinem Innern auf, als er sie so sah. Gott, sie bot schon einen Anblick mit den roten Lippen, auf denen ein L?cheln lag und mit den funkelnden Augen. Er wollte sie unbedingt n?her kennenlernen. K?ssen wollte er sie auch, aber dazu war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Stattdessen sagte er: »Ich werde es Euch anvertrauen, aber nur, wenn Ihr versprecht, mir eine Geschichte von Euch zu erz?hlen, wenn ich meine beendet habe.« »Also gut.« Sie nickte. Seth f?hrte sie am Ufer des Baches entlang und die warmen Strahlen der Sonne w?rmten ihm den R?cken, als er die Geschichte begann. »Wie ich schon sagte, brachte ich einen Frosch mit zum Dinner. So einen richtig sch?n gro?en gr?nen. Als ich ihn freilie?, machte er einen einzigen gewaltigen Satz, direkt auf den Scho? meiner Schwester.« Lady Constantine lachte, wie sie es schon beim letzten Mal getan hatte, als er es ihr so anschaulich erz?hlt hatte, nur dass sie diesmal nicht versuchte, ihr Lachen zu unterdr?cken. Er freute sich sehr dar?ber, denn der Klang ihres Lachens tat ihm in der Seele wohl und er mochte das Gef?hl, das es in seinem Innern ausl?ste. Leicht und unbeschwert, fast so, als sei er wieder ein Junge. »Dorthy, meine Schwester, war damals sechzehn. Sie ist drei Jahre ?lter als ich und hat gekreischt wie ein ?berheizter Teekessel, als das Tier auf ihr landete. Sofort sprang sie von ihrem Stuhl hoch und st?rzte Hals ?ber Kopf aus dem Esszimmer.« »Habt Ihr daf?r sehr viel ?rger bekommen?«, fragte Constantine mit mitleidigem Gesichtsausdruck. Er grinste spitzb?bisch. »Vater und Mutter schimpften mit mir und schickten mich auf mein Zimmer, aber das hat mich nicht von weiterem Unfug abgehalten.« Er warf ihr von der Seite her einen Blick zu und sonnte sich in der Entt?uschung, die sich auf ihrem herzf?rmigen Gesicht abmalte. »Jetzt seid Ihr dran. Was ist das Schlimmste, das Ihr angestellt habt?« Sie stie? einen h?rbaren Seufzer aus. »Als kleines M?dchen?« Er sch?ttelte den Kopf. »In Eurem ganzen Leben«, erwiderte er. Dann wartete er schweigend, w?hrend sie an seiner Seite herging und anscheinend ?ber die Aufforderung nachdachte. Constantine starrte auf das Wasser, das im Bach neben ihnen herpl?tscherte. »Ich f?rchte, ich kann mit nichts aufwarten, das so frech w?re wie Eure Eskapade mit dem Frosch.« »Jetzt kommt schon. Sicher gibt es da etwas in Eurer Vergangenheit.« »Also gut. Einmal habe ich einen meiner Schuhe in den Fluss geworfen, der hinter unserem Haus flie?t. Sp?ter habe ich dann behauptet, er sei verloren gegangen.« Er warf ihr einen ungl?ubigen Blick zu. »Daran kann ich nichts Freches finden.« »Ich tat es mit Absicht. Die M?gde suchten tagelang nach ihm, aber sie haben das schreckliche Ding nie gefunden.« »Weshalb solltet Ihr so etwas tun?« Er sah sie an und hob fragend eine Braue. »Ich wollte lieber meine Stiefel tragen.« Sie grinste. »Und was ist mit Euren Geschwistern?«, fragte er. Er wollte mehr ?ber sie herausfinden. Constantines Gesichtsausdruck wurde ernst. »Ich habe keine.« Als sie fortfuhr, wich sie seinem Blick aus. »Ich habe mir immer Schwestern gew?nscht, aber nachdem meine Mutter gestorben ist, hat mein Vater nie wieder geheiratet.« Seth zog sie sanft zu sich herum und stellte sich vor sie, so dass sie einander gegen?berstanden. »Wie alt wart Ihr, als Eure Mutter starb?« Er wusste, dass es ihn nichts anging und dass er ihr diese Frage nicht stellen sollte, aber er konnte sich nicht zur?ckhalten. Etwas an dieser Frau faszinierte ihn. Er wollte sie auf eine Weise kennenlernen, wie er noch nie zuvor jemanden kennengelernt hatte. »Sieben«, sagte sie und ihr brach die Stimme. »Danach ist Vater mit mir auf sein Landgut gezogen. Er hat sich vor der Welt zur?ckgezogen – und mich mit ihm.« Der Schmerz in ihren Augen l?ste ein Gef?hl der Beklemmung in seiner Brust aus. Er hob eine Hand und legte sie an ihre Wange. »Das tut mir leid.« »Das muss es nicht.« Sie erwiderte seinen Blick und ihr R?cken spannte sich leicht an. »Es war gar nicht so schlimm. Tats?chlich gef?llt mir das Landleben sehr gut. Nur die Einsamkeit hat mich gest?rt.« »Mit Einsamkeit kenne ich mich gut aus«, entgegnete Seth, seine Hand noch immer an ihrer Wange. »Davon habe ich reichlich gehabt. Ich kann meine Situation nicht mit der Euren vergleichen, denn ich hatte eine Familie. Allerdings wussten sie mit mir nichts weiter anzufangen. Ich war einfach nur der Erbe. Den gr??ten Teil meiner Kindheit habe ich im Internat oder in der Obhut von Dienern verbracht.« Ihr Mund ?ffnete sich leicht, als sie sich mit der Zunge ?ber die Lippen fuhr. »Dann sind wir wohl verwandte Seelen – in gewissem Sinne«, f?gte sie eilig hinzu. Er konnte sich nicht besser beherrschen, als ein Verhungernder einer hingeworfenen Brotkrume h?tte widerstehen k?nnen. Innerhalb eines Sekundenbruchteils legten sich seine Lippen auf die ihren. Seine Zunge erforschte die S??e ihres Mundes, kostete sie aus. Constantine schlang ihre Arme um seine Schultern und lehnte sich an ihn, als ihre Lippen zueinander fanden. Noch nie hatte Seth ein solches Prickeln gesp?rt, ein solches Verlangen und eine derartige Sehnsucht, noch nie ein so tiefes Begehren. Gott hatte diese Frau f?r ihn geschaffen. Anders konnte er sich den Effekt, den sie auf ihn hatte, nicht erkl?ren, und er konnte sich keinen anderen Grund vorstellen, aus dem er sich so zu ihr hingezogen f?hlte. Constantine l?ste sich von ihm und unterbrach ihre Verbundenheit. »Da kommt jemand.« Er streckte die Hand nach ihr aus, entschlossen, sie wieder in seine Arme zu ziehen, aber sie wich ihm aus. Sie wandte sich von ihm ab und nickte der Duchess of Selkirk und deren Schw?gerin Lady Celia zu, die in einiger Entfernung auf die Lichtung traten. Dann wandte sich Constantine wieder zu ihm um. »Ich glaube nicht, dass sie uns gesehen haben.« Sie err?tete und sank in einen Knicks. »Guten Tag, Mylord.« »Wartet – « Sie unterbrach ihn, indem sie den Kopf sch?ttelte, drehte sich um und spazierte dann den Damen entgegen, die auf sie zukamen. Er h?tte ihr sagen k?nnen, dass ihre Lippen vom K?ssen geschwollen waren. Er h?tte ihr auch sagen k?nnen, dass er sie begehrte. Seth h?tte ihr die Haube richten sollen. Aber er tat nichts von alledem. Stattdessen sah er der sich entfernenden Gestalt nach, ein unbek?mmertes Grinsen im Gesicht. KAPITEL 3 Constantine ber?hrte mit den Fingerspitzen ihre empfindlichen Lippen und sandte ein stummes Gebet zum Himmel. Bitte, Gott, bewahre mein Geheimnis. Ihr Tantchen w?rde der Schlag treffen, wenn Constantines Ruf ruiniert war. Und ruiniert war er mit Sicherheit, wenn die Duchess und Lady Celia sie dabei gesehen hatten, wie sie Lord Gulliver k?sste. Man k?nnte sie sogar dazu zwingen, ihn zu heiraten. Bei dieser Vorstellung krampfte sich ihr Magen zusammen. Nicht bei dem Gedanken daran, seine Frau zu werden, sondern bei dem Gedanken, ?berhaupt die Frau eines einflussreichen Hochadligen zu werden. Sie w?re f?r keinen Mann, der in der gehobenen Gesellschaft verkehrte, eine geeignete Frau. Ihr fehlten die notwendigen F?higkeiten und der n?tige Schliff und sie schien unf?hig zu sein, es zu erlernen. Nein. Constantine w?rde einen Mann wie Lord Gulliver niemals heiraten k?nnen. F?r sie w?re ein Baron auf dem Land oder ein Landjunker in der N?he ihres Vaters das Richtige. Ein Mann, der nicht von ihr erwarteten w?rde, dass sie all die steifen und oft unsinnigen Regeln der Gesellschaft befolgte. Sie brauchte einen Mann, f?r den es nicht n?tig war, dass sie extravagante Feste und dergleichen ausrichtete, und der sich damit begn?gte, dass sie ihm stattdessen den Haushalt f?hrte und Kinder gro?zog. Wenn sie denn Kinder h?tten. Ihre Gnaden, die Duchess of Selkirk, winkte ihr zu und Constantine winkte zur?ck. Es n?tzte wenig, sich nerv?s zu machen und noch weniger, den Damen aus dem Weg gehen zu wollen. Sie w?rde sich zu ihnen gesellen und entgegen aller Hoffnung darauf setzen, dass sie nicht gesehen hatten, was sie wenige Augenblicke zuvor getrieben hatte. Als sie zu den anderen Damen stie?, setzte Constantine ein L?cheln auf und knickste leicht. »Ich konnte nicht umhin zu bemerken, dass Lord Gulliver bei Euch stand«, sagte Lady Celia. Constantine wand sich innerlich. »Ich muss Euch raten, Euch vor dem Charme dieses Halunken zu h?ten«, fuhr Lady Celia mit gewichtiger Stimme fort. »Er ist ein guter Freund der Familie, deshalb werde ich nichts Schlechtes ?ber ihn sagen, aber seid trotzdem auf der Hut.« Constantine nickte zustimmend mit dem Kopf. »Das werde ich.« Die Duchess of Selkirk schenkte ihr ein warmes L?cheln. »Bitte begleitet uns doch auf unserem Spaziergang«, sagte sie. Constantine erwiderte das L?cheln und entgegnete: »Es w?re mir eine Ehre, Euer Gnaden.« Die Duchess nahm ihren Spaziergang wieder auf, Lady Celia zu ihrer Linken und Constantine zu ihrer Rechten. Sie schob sich eine r?tliche Locke aus dem Gesicht. »Wir sind hier unter Freundinnen, Lady Constantine. Bitte nennt mich Julia.« »Und mich Celia«, f?gte Lady Celia in vergn?gtem Tonfall hinzu. Constantine entspannte sich. Die warme Fr?hlingsluft strich ihr ?bers Gesicht. »Das zu tun wird mir eine Ehre sein, aber dann m?sst ihr mich Eurerseits Constantine nennen.« Vor zwei Wochen war Constantine Julia und Celia auf einem Ball begegnet. Wie gew?hnlich war Constantine in ein Fettn?pfchen getreten – eines von vielen, in die sie getreten war, weil sie nicht um die Regeln wusste. Die Duchess und Lady Celia waren dabei gewesen und hatte ihr ausgeholfen. Obwohl das den Klatsch nicht zum Verstummen hatte bringen k?nnen, war Constantine ihnen doch dankbar. Sie freute sich ?ber das Angebot, die beiden Frauen zu ihren Freundinnen z?hlen zu k?nnen und war dankbar f?r die Einladung nach Huntington Park. Sie sah Julia an. »Ich muss Euch daf?r danken, dann Ihr meine Tante und mich zu Euch eingeladen habt.« Julia winkte ab. »Bitte macht Euch deswegen keine Gedanken. Ich habe es aus eigenn?tzigen Gr?nden getan, weil ich Euch besser kennenlernen m?chte.« »Mich?« Constantines Augen weiteten sich kaum merklich. Niemand hatte sich je f?r sie interessiert. Jedenfalls nicht, wenn es nicht um Klatsch gegangen war oder darum, sich ?ber ihren neusten Fauxpas lustig zu machen. Das war genau der Grund, aus dem sie beschlossen hatte, sich diese Saison um nichts zu scheren. Und jetzt war sie hier auf dem Anwesen eines Dukes und einer Duchess of Selkirk! Und die Duchess wollte ihre Freundin sein. Vielleicht stimmte es – frisch gewagt war halb gewonnen. »Sonst sehe ich hier niemanden.« Julia l?chelte. »Und ich muss gestehen, dass ich Euch ?u?erst interessant finde.« »Ich f?rchte, an mir ist rein gar nichts interessant.« Constantine sch?ttelte den Kopf. »Aber nat?rlich seid Ihr interessant«, warf Celia ein. Julia trat dichter an Constantine heran und sah sie von der Seite an. »Habt Ihr gewusst, dass ich von niederer Abstammung bin?« Constantine geriet fast ins Stolpern, als sie Julia ?berrascht ansah. »Das habe ich allerdings nicht.« »Es ist wahr«, best?tigte Celia. »Mein Bruder hatte sie angestellt, um meine Gesellschafterin zu sein.« Sie grinste frech. »Dann hat er sie zu seiner Duchess gemacht.« »Wie romantisch!«, rief Constantine. »Ja, nicht wahr?«, best?tigte Celia und legte ihre Hand aufs Herz. Constantine nickte zustimmend. »Bevor ich Celias Gesellschafterin wurde, lebte ich in einem kleinen Cottage in Kent. Mein Vater hatte uns sitzen lassen und meine Mutter war todkrank. Wir waren so arm, dass wir uns nicht einmal Feuerholz leisten konnten – geschweige denn Lebensmittel.« »Wie seid Ihr dem Duke begegnet?«, wollte Constantine wissen, die vor Neugierde kaum an sich halten konnte. Celia sah Julia mit neugierigem Blick an. »Das m?chte ich allerdings auch gern wissen.« »Und Ihr seid noch immer zu jung, um diese Geschichte zu h?ren«, lehnte Julia ab. »Au?erdem w?rde ich gern mehr ?ber unsere neue Freundin erfahren.« Sie griff nach Constantines Hand und dr?ckte sie leicht. »Ich wei?, dass Ihr unter der Schirmherrschaft Eurer Tante steht und dass Euer Vater der Earl of Dartford ist – und dass dies Eure zweite Saison ist, aber sonst nichts. Erz?hlt Ihr uns, wo Ihr Euch versteckt hattet und weshalb?« »Ich w?rde nicht von Verstecken sprechen. Zumindest nicht, was mich betrifft.« Constantine stie? einen wehm?tigen Seufzer aus. »Obwohl ich Carlisle London vorziehe.« Celia klatschte in die H?nde. »Oh! Ihr kommt aus Cumbria. Das ist so ein sch?ner Teil Englands.« »Ihr seid dort gewesen?«, fragte Constantine. Celia strahlte. »Schon oft. Mein Bruder hat dort ein Anwesen. Allerdings nicht das Anwesen eines Dukes, sondern ein Landhaus, das unsere Mutter mit eingebracht hat.« Nachdenklich hielt sie inne. »Es liegt gar nicht so weit von Carlisle entfernt. Vielleicht eine Stunde Kutschfahrt. Wenn wir das n?chste Mal dorthin kommen, werden wir Euch zum Tee einladen.« »Das w?rde mich sehr freuen«, erwiderte Constantine. Julia stie? sie sanft mit dem Ellbogen an. »Und mich w?rde es sehr freuen, zu erfahren, weshalb wir erst vor Kurzem Eure Bekanntschaft gemacht haben. Nat?rlich sind wir Euch w?hrend der letzten Saison begegnet, aber wo wart Ihr davor?« Celia neigte ihr Gesicht in Richtung der Sonne und blinzelte. »Den Ger?chten zufolge seid Ihr vierundzwanzig. Hattet Ihr Euer Deb?t so sp?t?« »Etwas in der Art.« Constantine seufzte. »Ehrlich gesagt, wollte ich gar keines.« Celia drehte sich ?berrascht zu Constantine um. »Wieso denn nicht?«, fragte sie in ungl?ubigem Tonfall. Sie befanden sich jetzt auf dem Weg zur?ck zu dem monumental anmutenden Landhaus. Constantine lie? ihren Blick ?ber die gepflegte Anlage schweifen, auf der hier und da Blumenbeete angelegt waren oder sich ehrw?rdige B?ume erhoben. »Ich bin in London fehl am Platze«, erkl?rte sie. »Mein Vater ist mit mir nach Carlisle gezogen, als ich ein siebenj?hriges M?dchen war. Ich habe mein ganzes Leben auf dem Land verbracht, ohne meinen Unterricht abgeschlossen zu haben und ohne eine richtige Gouvernante.« Sie schloss einen Moment lang die Augen und f?hlte sich von der frischen Fr?hlingsluft getr?stet. »Als mein Vater entschied, dass es h?chste Zeit f?r mich sei, in die Gesellschaft eingef?hrt zu werden, hat er meine Tante gebeten, mich unter ihre Fittiche zu nehmen.« Sie warf Julia von der Seite her einen Blick zu. »So kommt es, dass ich jetzt hier bin.« »Und was ist mit Eurer Mutter?«, erkundigte sich Julia. Constantine w?rgte an dem Klumpen, der ihr in der Kehle sa?. Sie hoffte, dass das Interesse der Duchess aufrichtig war. Dann f?hlte sie sich schrecklich, weil ihr dieser Gedanke ?berhaupt gekommen war. Die Duchess wirkte auf Constantine nicht geh?ssig. Sie war ungerecht, weil sie es in Erw?gung gezogen hatte. Sie hob das Kinn und l?chelte leicht. Diese Frauen waren ihre Freundinnen, ihnen konnte sie sich anvertrauen. »Meine Mutter ist an einem Fieber gestorben. Vater war au?er sich… in mancher Hinsicht ist er das noch immer. Seine Trauer ist so tief, dass er sich auf das Land zur?ckgezogen hat, und mich nahm er mit sich.« »Wie schrecklich.« Celia runzelte mitleidig die Stirn. »Ich hoffe, Ihr vergebt mir meine neugierigen Fragen. Ich wei?, dass es als ?u?erst unvornehm gilt, aber ich f?hlte mich zu Euch hingezogen und wei? jetzt, wieso.« Julia schenkte ihr ein warmes L?cheln, das ihre Augen aufleuchten lie?. »Wir werden die besten Freundinnen sein. Ihr werdet sehen.« Celia nickte in Richtung des Hauses. »Dort ist Mutter«, sagte sie. »Lasst uns Euch ihr vorstellen.« Mit diesen Worten hakte sie sich bei Constantine unter. Ein L?cheln stahl sich auf Constantines Lippen, als sie bemerkte, dass Lord Gulliver an der Seite der ?lteren Frau stand. Oh Gott, ihre Wangen wurden ganz hei?. Celia zog Constantine mit sich, bis sie vor der eleganten Dame standen. Sie war fortgeschrittenen Alters, aber eine Sch?nheit mir saphirblauen Augen und blondem Haar, das von silbrigen Str?hnen durchzogen war. Celia hatte augenscheinlich das Aussehen ihrer Mutter geerbt und konnte sich dar?ber gl?cklich sch?tzen. Celia trat vor. »Mutter, darf ich Euch mit Lady Constantine Hartley bekannt machen?« Die ?ltere Dame l?chelte. »Bitte tu das.« Celia drehte sich zu Constantine um. »Lady Constantine, es ist mir eine Freude, Euch mit meiner Mutter, der Witwe des Dukes of Selkirk, bekannt zu machen.« »Constantine versank in einem tiefen Knicks. »Euer Gnaden, es ist mir eine Ehre.« Die verwitwete Duchess ergriff Constantines Hand und dr?ngte sie dazu, sich zu ihrer vollen Gr??e aufzurichten. »Jede Freundin meiner Tochter ist auch mir eine Freundin.« Sie wandte sich an Lord Gulliver. »Seid Ihr miteinander bekannt?« Seine Augen schienen zu gl?hen, als er Constantines Blick erwiderte und sich verneigte. »Allerdings.« Seine Lippen verzogen sich zu einem kecken Grinsen. »Gestattet mir zu bemerken, dass Ihr so reizend ausseht wie immer, Lady Constantine.« W?rme breitete sich in ihrem ganzen K?rper aus. Sie versuchte, den Blick abzuwenden und stellte fest, dass sie es nicht konnte. Sehr zu ihrer Erleichterung wandte er seine Aufmerksamkeit jetzt ihren Begleiterinnen zu. »Ihr alle seid atemberaubend in Eurem Liebreiz.« »Ihr seid ein schamloser Charmeur«, schalt die Witwe. »Nun fort mit Euch.« Sie versetzte ihm einen scherzhaften Klaps mit ihrem F?cher, der aus Seide und Elfenbein gearbeitet war. Lord Gulliver gluckste. »Also gut.« Seine Augen hielten Constantines Blick fest. »Aber ich freue mich bereits darauf, von Eurer Sch?nheit bestrahlt zu werden, wenn wir einander das n?chste Mal begegnen.« Mit einem Zwinkern wandte er sich ab und spazierte davon. Ein wenig atemlos sah sie ihm nach. Dann schloss sie die Augen und versuchte, die Hitze in ihren Wangen zum Abklingen zu bringen. Die Witwe des Dukes sch?ttelte den Kopf, als sei sie ver?rgert, obwohl sie wie ein Schulm?dchen grinste. »Nehmt Euch nur vor ihm in Acht, Lady Constantine«, warnte sie, »Er ist kein Heiratsmaterial.« »Obwohl er hinsichtlich des Selbstbewusstseins eines M?dchens wahre Wunder vollbringt.« Celia strahlte ihre Mutter an. »Und er ist ein Gentleman«, f?gte Julia hinzu. Die Witwe wandte sich nach seiner kleiner werdenden Gestalt um. »Das ist alles ganz richtig, aber er ist doch kein Mann, der sein Herz verschenkt. Jedes M?dchen, das ein Auge auf ihn wirft, wird schmerzlich entt?uscht werden.« »Das mag schon sein«, sagte Julia und schwieg nachdenklich, w?hrend sie ihm nachsah. »Obwohl man auch sagen k?nnte, dass diejenige, die ihn zum Traualtar f?hrt, sich ausgesprochen gl?cklich sch?tzen darf.« Kleine F?ltchen bildeten sich um ihre Augen, als sie grinste. »Man sagt ja, dass Halunken die besten Ehem?nner abgeben.« »Nun aber genug.« Die Witwe schwang ihren F?cher. »Ihr werdet Celia noch auf dumme Gedanken bringen.« Die Warnungen sollten Constantine eigentlich zu denken geben. Schon die Vorstellung von einem Mann wie Lord Gulliver h?tte sie abschrecken sollen. Und doch konnte nichts, was die Damen gesagt hatten, ihn aus ihren Gedanken vertreiben. Im Grunde hatte das Gesagte sie sogar beruhigt. Sie musste sich keine Sorgen ?ber Lord Gullivers Absichten machen. Er war kein Heiratskandidat – und sie war es auch nicht. Zumindest nicht, sofern es die Lords von London betraf. Und all das… Es bedeutete, dass sie die Gesellschaft Lord Gullivers genie?en konnte, ohne sich zu sorgen. Und genau das hatte sie vor. KAPITEL 4 Seth konnte den Blick nicht von Lady Constantine abwenden. Er versuchte, auf das zu achten, was Julia und ihr Mann, Charles Kendle, der Duke of Selkirk, sagten, aber er brachte es einfach nicht fertig. Lady Constantine war viel zu fesselnd in ihrem Kleid aus blauem Taft und den Perlen. Ihr Haar war im Nacken zu einem komplizierten Knoten geschlungen, aus dem sich goldene Locken gel?st hatten und ihr auf den R?cken fielen. Es juckte ihn in den Fingern, sie zu ber?hren, als er sie in ihrer Sch?nheit bewunderte. Sie wandte den Kopf und ?ber die L?nge des Saals hinweg kreuzten sich ihre Blicke. Sein Herzschlag beschleunigte sich. Die Frau war hinrei?end. Eine Mischung aus Wildheit und Unschuld, die in einem faszinierenden Wesen miteinander verschmolzen waren. »H?rt Ihr ?berhaupt zu, Gulliver?« Wie aus weiter Ferne kam Seth zu Bewusstsein, dass Charles mit ihm sprach, aber er konnte den Blick noch immer nicht von Lady Constantine abwenden. Anstatt weiter gegen das dr?ngende Verlangen in seinem Innern anzuk?mpfen, winkte er seinen Freunden entschuldigend zu und ging auf Lady Constantine zu. Zu ihrer Rechten und Linken befanden sich Lady Chadwick und Lady Celia. Die drei unterhielten sich und nahmen hin und wieder einen Schluck von ihrer Limonade. Als Lady Constantine bemerkte, dass er in ihre Richtung kam, machte sie einen Schritt auf ihn zu. Seine Schritte wurden unsicher, als Celia eine Hand ausstreckte, woraufhin Lady Constantine innehielt. Dann wandte sie ihm neugierig ihren Blick zu. Seths Schritte wurden energischer, als er weiter auf sie zuging. Lady Celia neigte sich zu Lady Constantine hin?ber und sagte etwas zu ihr. Was tat das kleine Biest da? Nachdem Celia verstummt war, lie? sie Lady Constantine los, hakte sich bei Lady Chadwick unter und spazierte davon. Seth konnte ein Grinsen nicht unterdr?cken, als Lady Constantine ihm ihr bezauberndes L?cheln schenkte. Was auch immer der unversch?mte Frechdachs zu ihr gesagt hatte, es musste harmlos gewesen sein, obwohl er sicher war, dass es um ihn gegangen war. Er kannte Lady Celia genauso lange, wie er den Duke kannte. Er und Charles waren die engsten Freunde, eigentlich schon eher Br?der. Daher waren auch die Witwe des alten Dukes und Celia wie Familienmitglieder f?r ihn. Er wusste gut, zu was f?r Streichen Celia aufgelegt sein konnte. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=57159806&lfrom=688855901) на ЛитРес. 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